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Wolf vs Mensch 0:1 – Nationalrat für Abschuss statt Prävention

Am 12. März 2015 entschied der Nationalrat, den Schutz des Wolfes in der Schweiz zu lockern. In Zukunft soll ein Wolf abgeschossen werden dürfen bevor er Schaden anrichtet. Bisher war das anders: Für den Abschuss eines Wolfes braucht es eine Bewilligung, welche bisher nur erteilt wurde, wenn er einen gewissen Schaden bei Nutztieren oder Wildbeständen angerichtet hat oder eine Gefahr für die Menschen darstellte.

Mit der Annahme der Motion, welcher der Nationalrat mit 151 zu 17 Stimmen (21 Enthaltungen) zugestimmt hat, wird sich dies bald ändern. Die Motion fordert den Bundesrat auf das Jagdgesetz so anzupassen, damit die Wolfsbestände in der Schweiz einfacher “reguliert” werden können. So soll es eben möglich werden einen Wolf zu erschiessen, bevor er effektiven Schaden angerichtet hat. Dafür ausreichen würde bereits, wenn ein Wolf “die Scheu vor Menschen verliert und sich Siedlungen nähert” (Zitat: Quelle siehe unten).

Wir sind skeptisch dieser Gesetzesänderung gegenüber. Der Verlust der Scheu vor Menschen oder das Annähern an Siedlungen sind schliesslich extrem subjektiv wahrnehmbare Eigenschaften. Ab wann ist die Scheu wirklich weg und wie nahe wird “sich Siedlungen nähern” definiert? In der heutigen Zeit, in der wir unsere Infrastrukturen gedankenlos dahin bauen wo wir sie gerne hätten, ist es einem Wildtier praktisch unmöglich dem Menschen auf grosse Distanz aus dem Weg zu gehen. Für irgendeinen Menschen ist auch der grösste Abstand immer noch “zu nah”, weshalb davon auszugehen ist, dass in naher Zukunft viele Wölfe unnötig getötet werden.

Die Weitsicht des Parlaments betreffend der Steuerung von Rudelgrössen und Populationsdichte des Wolfes ist zu loben. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich der Wolf in der Schweiz vermehrt und wir zukünftig mit einer grösseren Population als heute zu rechnen haben.
Jedoch sind wir der Ansicht, dass die Änderungen die durch die Motion von Ständerat Stefan Engler (CVP/GR) angestossen werden, derzeit in die falsche Richtung gehen.

Anstatt sich präventiv um das Zusammenleben von Wolf und Mensch zu kümmern, werden nun einfach die Interessen der Lobby von Alpwirtschaft, Jagd und Tourismus in den Vordergrund gerückt. Auch wenn es scheint, als würde man für die Tötung eines Wolfes auch in Zukunft noch eine Bewilligung brauchen, sind wir uns sicher, dass viele Abschüsse die folgen werden, vermeidbar gewesen sein werden.

Bundesrätin Doris Leuthard hat immerhin verstanden, dass “wir mit dem Wolf leben müssen” (Quelle: siehe unten). Jedoch hinterlässt die Annahme dieser Motion den schalen Nachgeschmack, dass das Problem auf eine “elegante Weise” unter den Teppich gekehrt als sinnvoll gelöst wird.

Mit ausreichenden Schutzmassnahmen der Bevölkerung für die Alpwirtschaft wäre der Wolf nämlich dazu gezwungen, das zu tun wofür er existiert: Nämlich die Wildbestände zu regulieren.
Dass dafür nicht unendlich viele Wölfe in die Schweizer Naturlandschaft passen ist klar, jedoch wäre eine Steuerung der Wolfsbestände eher tolerierbar wenn nicht die menschlichen Jagd-Interessen im Vordergrund stünden.

 

Meldung des Parlaments vom 12.03.2015

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