Arena-Moderator gegen Daniele Ganser – Thema war Trump

In der SRF-Sendung „Arena“ vom 24. Februar 2017 war Donald Trump das Thema. Angekündigt hat sie SRF mit den Worten „Der amerikanische Präsident hat den Medien den Krieg erklärt, er bezeichnet sie als «Feinde des amerikanischen Volks». Gibt es gute Gründe, den Medien zu misstrauen? Oder sind die Medien wichtiger denn je, um Trumps Lügen aufzudecken? Und: Wird den Schweizer Medien noch vertraut?“.

Das eigentliche Thema war aber nach etwa zehn Minuten nur noch Makulatur. Mit einem Frontalangriff auf den Historiker Daniele Ganser hat Moderator Jonas Projer die Person Ganser zum Thema gemacht. Die ersten paar Minuten waren geprägt von einem Schlagabtausch der beiden Selbstdarsteller Roger Schawinski (Journalist) und Claudio Zanetti (Nationalrat SVP/ZH). Bei diesem ging es tatsächlich um das eigentliche Thema, das Verhältnis Donald Trumps zu den Medien und die Frage ob die Medien glaubwürdig seien.

Zu diesem Diskussionsthema wurde Daniele Ganser gefragt, ob es denn eine Wahrheit gäbe die objektiv stimme oder ob das eine Frage der Perspektive sei.
Der Antwort des Historikers Ganser muss ich mich im übrigen anschliessen: „Es ist auf jeden Fall so, dass man verschiedene Perspektiven hat“.

Es gibt auf der Welt schliesslich sehr viele verschiedene Menschen, verschiedene Kulturen, verschiedene politische Meinung und verschiedene Ideologien. Insofern gibt es zu jeder Frage, die sich nicht zweifellos mit Fakten klären lässt, mehrere Meinungen.

Als Daniele Ganser dann ausführte, dass die meisten Medien in der Schweiz sich bei heiklen Fragen in vorgefasste Positionen begeben, zum Beispiel sich hinter die US-Präsidenten stellen, egal wen oder was sie gerade bombardieren, hat er bei Moderator Projer wohl eine unsichtbare rote Linie überschritten.

Sofort ergriff er nach einer Aussage Schawinskis, über die Glaubwürdigkeit Donald Trumps, das Wort und machte die Glaubwürdigkeit Daniele Gansers zum Thema. Hatte Schawinski den Abstecher Gansers zu den kriegerischen Akten der US-Präsidenten Obama, Bush und Clinton noch als „Themawechsel“ angeprangert, verfehlte Jonas Projer die ursprüngliche Diskussion um mindestens zwei Lichtjahre.
Er machte nämlich die „umstrittenen Ansichten“ Daniel Gansers zum 11. September 2001 zum Kernstreitpunkt der restlichen Arena-Sendung und bezeichnete ihn als Verschwörungstheoretiker.

Dabei muss man aber extrem aufpassen, dass man hier nicht selbst eine „einzig richtige Wahrheit“ für sich selbst proklamiert. Denn die Aussagen Gansers sind niemals mit dieser Absicht versehen. Er zeigt bei umstrittenen Thematiken, bei denen dem Bürger weiterreichende Informationen fehlen, auf was sonst noch sein könnte.
Was man von Daniele Ganser aber niemals zu hören bekommt, sind die Worte: „Ich habe die einzig richtige Wahrheit gefunden! Glaubt es oder ihr seid Verschwörungstheoretiker!“.

Die Aussagen Gansers sind praktisch immer mit Informationen belegt. Ausserdem fordert er die Menschen geradezu auf, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich gebe zu, ich weiss auch nicht, was ich von Gansers 9/11-Forschung halten soll. Das Thema war für mich persönlich bisher auch zu wenig relevant.
Wichtig ist aber die Friedensforschung die Daniele Ganser betreibt, und diese kann man nicht einfach als Non-Sense leugnen nur weil einem eine oder einige seiner Ansichten und Aussagen nicht gefallen.

Ein Beispiel: Nimm dir deinen „Lieblingspolitiker“ und schau dir an, was er für Ansichten hat und wie er sich bisher geäussert hat. Kannst du wirklich mit jedem Punkt dieses Politikers einig gehen? Oder geht deine Meinung in einigen Punkten in eine andere Richtung?

Fakt ist: Wenn ein Land ein anderes Land bombardiert und damit Menschen tötet, muss man das immer kritisch hinterfragen. Eine Partei die Krieg führt ist schliesslich bestrebt ihren guten Ruf in der Welt aufrecht zu halten und geht dabei meistens auch so weit, eigene Erfolge übertrieben darzustellen und Rückschläge oder zugefügtes Leid an gegnerischen Zivilisten zu verharmlosen (Stichwort „Kriegspropaganda“).

Wird Gewalt an Menschen, vor allem an Zivilisten ausgeübt, muss das immer von Interesse sein, auch wenn die Medien schreiben, dass die Gewalt und das Leid für den eigenen Vorteil notwendig sind.
Und wenn man für das eigene Interesse an den Menschenleben auf dieser Welt als Verschwörungstheoretiker dargestellt wird, zeigt das nur auf, dass die Diskussion der Gegenseite extrem unangenehm ist und diese etwas zu verstecken hat.

Insofern hat Moderator Jonas Projer mit extrem unfairen Bandagen in dieser Arena gekämpft, wenn er die Meinung eines Diskussionspartners als unglaubwürdig herabsetzt, nur weil diese Person eine andere Meinung vertritt als der eigene Arbeitgeber.
Daniele Ganser hat die Berichterstattung des SRF kritisiert (ob das gerechtfertigt ist, muss jeder SRF-Konsument für sich selber entscheiden) und dafür wurde gleich seine ganze Glaubwürdigkeit in Frage gestellt (ob Ganser für seine Zuhörer glaubwürdig ist, muss ebenfalls jeder selbst entscheiden).

Mich persönlich hat es an dieser Diskussion extrem gestört, dass es zwar um die Glaubwürdigkeit der Medien ging, hier das Medium SRF aber klargestellt hat, jegliche Abweichung von seinen Dogmen sei zu verurteilen.
Insofern hat es sich bei dieser Arena-Sendung nicht um eine Diskussion gehandelt, sondern um einen Monolog seitens SRF, dass seine Berichterstattung zwingend zu glauben sei. Ob es sich nun um Kriegspropaganda handelt oder nicht.

Quelle: danieleganser.ch / Foto: Nils Fisch

Da ich natürlich selber auch keine „absolute Wahrheit“ für mich selber reservieren möchte, verlinke ich unten sowohl zur SRF-Arena vom 24. Februar 2017, als auch auf eine Auswahl von Vorträgen des Historikers Daniele Ganser.

So kann sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden, was übrigens auch die Kernaussage dieses Beitrages sein soll:
„Trau dich eine Meinung zu haben, sonst machen es Andere für dich!“

Was denkst du über die SRF-Arena vom letzten Freitag? Überteibts SRF hier mit der Blossstellung seiner Gäste oder hat sich Daniele Ganser mit seinem Auftritt selber unglaubwürdig gemacht? Teile doch deine Meinung in den Kommentaren mit.

 

Quellen:
Beitragsbild: Screenshot SRF-Arena vom 24.02.2017, www.srf.ch

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